Endlich an der Copacabana
oder: ein Anfang mit Schrecken


Also kurz geduscht, ein paar Sachen ausgepackt und zu viert per pedes in Richtung HELP. C hat uns gelotst und die wichtigsten Dinge erklärt. Er ist ja ein Rio Spezi und kennt sich wirklich sehr gut aus. Kurz das HELP von draußen angeschaut, es war noch zu früh für einen Besuch. Dafür sind wir ins MABS gegangen und haben draußen was gegessen, auf Empfehlung von C hatte ich ein Riesensteak, das war entsprechend ganz gut. Da habe ich auch meinen ersten Caipirinha getrunken: Limonen werden im Glas gestampft, Zucker rein und viel Zuckerrohrschnaps. Schmeckt ziemlich fruchtig. War relativ teuer im MABS, klar, ist Tourigebiet hoch drei. Trotzdem deutlich billiger als hierzulande. Anschließend hat uns C noch VILA MIMOSA gezeigt, ein besonderes Viertel, erreichbar in ca. 15 - 20 Minuten mit dem Taxi.

Bilder habe ich an dem Abend noch nicht gemacht, die Kamera blieb aus Sicherheitsgründen im Hotel. Vila Mimosa ist nicht ganz ungefährlich, was man so hört. Der Taxifahrer (ein älterer, naher Verwandter von Senna oder wie der hieß) meinte dann auch ihn hätten sie da schon überfallen und ihm was auf den Kopf gehauen. Nun ja, wir riskierten es trotzdem mal auszusteigen, der Taxler sollte warten. Wir haben eine Runde gedreht, es hat uns doch einigermaßen fasziniert. Eine schwer zu beschreibende Stimmung. Überall kleine Häuser und Bars, dunkle Eingänge, tanzende Nutten, Billard wird gespielt. Musik überall und Alkohol. Die Brasis vergnügen sich hier was das Zeug hält. Irgendwie surreal dort die Stimmung, kam uns jedenfalls so vor. C gefällt eine Blondine gut, sie will 20 Reais für die schnelle Nummer. C lässt es dann doch, weil das Taxi wartet. Später hat er es bereut. Wir sind dann relativ schnell wieder Richtung Copa. “Wir haben durchgehend geöffnet” rief uns noch einer hinterher...

C hat sich dann irgendwann abgeseilt, wir 3 sind noch ins LIDO, so eine kleine Bar, genauer gesagt ist es ein Puff. Es geht die Treppe rauf (ist beim BALCONY gleich um die Ecke). Ich glaub das labberige Bier kostete dort 15 Tacken. Wir haben uns dann doch recht kräftig vergnügt. M hat einen Haufen Pics gemacht. Wir hatten jeder ein oder zwei Hühner auf dem Schoß, den Mädels natürlich einen Drink ausgegeben (an der Copa in diesen Läden relativ teuer, den Preis weiß ich aber nicht mehr genau). Die haben kräftig an uns rumgeschraubt. Da war auch eine Bühne ähnlich wie in Thailand in einer kleinen Gogo, mit Stangen, Showeinlagen ab und an. Ich dachte noch, da schau her, es geht doch. Wir waren absolut vergnügungswillig und haben kräftig Gas gegeben. Ich habe mich rundum wohl gefühlt. Gerüchten zu Folge soll einer von uns an einer kleinen Showeinlage auf der Bühne halbwegs teilgenommen haben; allerdings weiß ich immer noch nicht, wer. Habe bei der Gelegenheit einen ziemlich betrunkenen Franzosen kennengelernt, den Hauptakteur dieser Show.




Im LIDO


 

 

 

 

 

Plötzlich war meine Torte verschwunden. Statt dessen kam eine andere ran, ok, sollte mir recht sein. Komisch fand ich das aber schon, denn die hatte gesagt “Moment, ich komme gleich wieder”. Seltsame Sitten. Es wurde spät und später. Gegen 3 oder 4 sind wir raus, nicht ohne uns vorher jeder mit einem Chick zu verabreden, wir wollten uns draußen im Balcony treffen. Ach ja, vorher noch bezahlen. Die 3 Flaschen Martini waren von den Hühnern natürlich völlig ausgesoffen worden. Kostete alles 970 Reais, wenn ich mich recht erinnere. Wir konnten das nicht cash bezahlen, gottlob hatte T Plastik dabei.


Es wurde langsam schon hell. Bei mir ging das Licht allerdings schon allmählich aus, der Jetlag tat sein Teil dazu. Die Pics sind alle von M.



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Nach und nach trudelten auch die Mädels ein, wie verabredet. Und auch der ziemlich betrunkene Franzose. Als wir ihm die Pics zeigten die wir von ihm gemacht hatten, schlug er die Hände über dem Kopf zusammen... “bringt das bloß nicht ins Internet”, meinte er. Machen wir natürlich nicht.


Jedenfalls hat mich der Franzose irgendwie noch an den Strand geschleppt, das war auch das einzige mal, das ich den aus der Nähe gesehen habe. Aber nur kurz, die andern wurden schon sauer, was ich denn jetzt ausgerechnet am Strand wolle. OK, stimmte ja auch. Also ab ins Hotel, die Hühner eingecheckt und “gute Nacht” gewünscht. Auf dem Zimmer dann der nächste Hammer. Die wollte plötzlich nur mit Gummi blasen! Ich mach ja jeden Scheiß mit, aber alles hat Grenzen. In der Bar noch auf wild gemacht und auf der Bühne rumgefickt, ihre Freundin geleckt und sich lecken lassen. Und jetzt komisch werden. Vielleicht hielt die mich für leichte Beute, in meinem Zustand. Ich habe sie ohne Geld rausgeworfen.

Ich war fertig. Völlig knülle und müde wie Hund. Vor allem aber gänzlich frustriert!!! Trotzdem, die erste Nacht Rio und Brasilien überhaupt, da wollte ich nicht ungeküsst schlafen gehen. Jetzt erst recht. Habe frische Flocken eingesteckt (nicht zu viel), Kamera blieb wieder im Hotel. Runter auf die Straße, rein ins Taxi. “Vila Mimosa!!” Der Taxler guckt mich erstaunt und fragend an, ob ich da wirklich hinwolle. Wollte ich. “Wir haben durchgehend geöffnet” klang es noch in meinen Ohren. Habe es auch unfallfrei erreicht, bin rein, hier und da noch (oder schon wieder?) ein paar Nutten unterwegs. Die erstbeste geschnappt und rein ins Vergnügen. Kostete 20. War natürlich nicht so besonders, das lag aber an meinem Zustand. Obwohl ich stark bezweifle, dass es mir dort nüchtern besser gefallen hätte, aber wer weiß. Muss ich noch mal ausprobieren bei Gelegenheit. Abgespritzt hatte ich jedenfalls nicht. Die 2. Nutte, wieder 20 Reais, wieder die Treppe rauf und nach 10 Minuten fängt die blöde Sprüche an. Habe zwar nix verstanden, wie denn auch, Englisch spricht da kein Schwein. Aber die vielsagenden Blicke zur Armbanduhr und die entsprechende Gestik sind eindeutig. Kennt man ja aus Deutschland. Wenn ich die Schnauze von diesem Tag schon reichlich voll hatte, dann hatte ich sie nach dem, was jetzt folgte, erst richtig gestrichen voll. Ich zog mich (wieder unverrichteter Dinge) murrend an und machte mich auf dem Weg nach unten. Da hockte eine fette Tussie, ich musste noch bezahlen. Ich hatte aber nur noch 50 klein, und die hat mit mir den alten Trick durchgezogen: Sie konnte nicht wechseln. Das hat meiner Laune dann endgültig den Rest gegeben und ich bin fluchend ins nächste Taxi, zurück zum Hotel. Da habe ich dann endlich ins Bett gefunden.

Als es am “nächsten” Tag an meiner Zimmertür klopfte, haben 3 einigermaßen entgeisterte Sextouristen einen völlig desillusionierten Kollegen vorgefunden. Der lag mit verschränkten Armen bockig auf dem Bett und erklärte, dass er schon viel erlebt habe, man habe ihn ja schon oft abgekocht und vorgeführt, aber BRASILEN sei ja wohl das allerletzte! Ich schaute in 3 ungläubige Gesichter, und M fragte mich tatsächlich, ob ich etwa wieder zurückfliegen wolle. Nein, denn getreu meiner Devise “immer das Beste draus machen” wollte ich den Urlaub natürlich zuende bringen. Allerdings habe ich meine Erwartungen an diesem Tag für den Rest völlig runtergeschraubt. Ich ließ die 3 alleine losziehen, sie wollten sich einiges bei Tageslicht anschauen. Ich musste mich erst mal sammeln.

Das war mein erster Tag in Rio: Abgekocht und vorgeführt. Sicher zum großen Teil aus eigener Schuld, Lehrgeld zahlt man ja meist aus Unwissenheit, Dummheit oder wegen seines Zustands. Und der war mal wieder, mir ist das letztens in Bangkok an meinem ersten Urlaubstag ähnlich ergangen (naja, nicht so schlimm), zum einen völlig euphorisch und gutgelaunt. Zum andern hatte ich aber viel zu viel getrunken, den Hals nicht vollgekriegt. Dann der Jetlag und dass ich am ersten Tag immer alles auf einmal will. Aber so konnte und sollte es nicht weitergehen. Soviel kann ich schon verraten: Es sollte mir ab diesem Moment täglich besser gefallen in Rio - und in Brasilien.







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